• Bäumchen schrieb neuen Beitrag, alles ist möglich, auf der Webseite rumbaumeln vor 3 Monaten, 1 Woche

    Derzeit ist das mit dem Erwachsenwerden sehr schmerzhaft und ein Prozess, der mich in die schlichtesten Alltagserledigungen hineinverfolgt. Als Mensch mit sachlicher Heimerziehung eröffnet sich eine weitere […]

  • Bäumchen schrieb neuen Beitrag, Ein paar Gedanken zum Schreiben, auf der Webseite rumbaumeln vor 8 Monaten

    Ich habe hier viel auf diesem Blog geschrieben und dann lange geschwiegen. Für mich war die Stille nach dem Schreiben das Seltsamste; der Wunsch nach einem Gegenüber, die*r sich mit mir über das Geschriebene au […]

  • It was not judgement day, but another morning.

    Ich habe diesen Blog lange nicht mehr angerührt, aus Gründen die schön sind. Mir ging es gut. Auch gab es viele Umwälzungen die letzten Monate, Jahre. Vie […]

  • Ich hatte heute sehr spontan Lust zu bloggen und mir fiel ein, dass ich ja mal ein Rezept bringen könnte, das ich gestern zubereitet habe und selber noch nicht für mich aufgeschrieben. Das Essen war so lecker, […]

  • Weil ich endlich mal lernen will, Podcasts zu machen und auf meinen Blog zu hauen (oder etwa, in gemeinschaftlicher Arbeit, auf die Blogs anderer Menschen), hab ich mich heute durch einen freundlichen Schubser in […]

  • Der Stift sagt: Bist du sicher, dass du mich jetzt benutzen willst?

    Der Stift sagt: Verdammt

    Der Stift sagt: Okay, bevor du anfängst: Ich mag nicht die Art, wie du mich hältst. Du … benutzt mich. Ich […]

  • Bäumchen schrieb neuen Beitrag, Labels, auf der Webseite rumbaumeln vor 2 Jahren, 4 Monaten

    Ich mag Labels. Ich finde es kann gar nicht genug Labels geben. Mehr Labels bitte.

  • Bäumchen schrieb neuen Beitrag, Hallschlag, bestes Viertel, auf der Webseite rumbaumeln vor 2 Jahren, 4 Monaten

    Ich war heute bei einer Wohnungsbesichtigung. Es war in einer Hochhaussiedlung und als wir so durch die Gegend liefen, kamen nach und nach Erinnerungen aus meiner Kindheit hoch: Stuttgart Hallschlag, überall […]

  • Ich bin keine gute Alltagsblogger*in. Die meiste Zeit liegt das nicht daran, dass ich banal finde, womit andere ihre Blogs füllen (Strickzeug, Besuchen, Rezepten, was sie gelesen haben etc), sondern dass ich einen […]

  • Bäumchen schrieb neuen Beitrag, Vernichtung, auf der Webseite rumbaumeln vor 2 Jahren, 4 Monaten

    Inhalt: beziehungen, emotionale gewalt, sexualisierte gewalt, sprache, community

    Letztens kam ich im Internet wieder auf die Seiten meines ehemaligen queeren Lieblings-Pärchens. Sie hatten ihre Beziehung sehr […]

  • Inhalt: Anxieties/chron. Angstzustände, Universität, Öffentlichkeit

    Es ist fast neun Uhr gerade und ich trinke Kaffee und bemerke meine schleichende Angst vor dem was kommt: Rausgehen, in die Universität gehen […]

  • Bäumchen schrieb neuen Beitrag, Wie es mir geht., auf der Webseite rumbaumeln vor 2 Jahren, 7 Monaten

    Inhalt: Depression, Diät(en), PCOS, Armut

    Ein Jahr nun in der Hauptstadt, dies sind meine Eindrücke:

    laut
    Jesus ist es laut
    oh warte das Fenster ist offen

    oh shit, es ist zu und IMMERNOCH […]

  • Inhalt: Bisexualität, Monosexismus, evangelikale Gemeinde, Heterosexismus, sexualisierte Gewalt/Übergriffe, Sexismus

    Meine Sexualität, mein Begehren, wie romantische Gefühle in mir ent- und bestehen, all das […]

  • I see what you mean. Hab jetzt mal den englischen Wikiartikel stattdessen verlinkt. Fands spannend weil der gaslighting.twoday.net auf die Geschichte des Begriffes eingeht, aber er befasst sich ja kaum oder gar […]

  • Inhalt: Familie, Abuse, Kinderheim, Depression, Krankheit, Diäten/Körper

    Ich war bei der Hochzeit meines Bruders, und habe bisher keine pompösere und luxuriösere gesehen, was nicht viel aussagt, ich kenne nämlich keine reichen Leute. Mein Bruder ist aber auch nicht reich. Wieviel er es sich hat kosten lassen, damit er Teil der Community wird, in die er sich so lang hineingesehnt hat, nichtmehr allein definiert über seine Familienlosigkeit, sondern: als Mann einer Frau, als Teil einer beginnenden Familie, als … jemand.

    Ich stehe am Rande dieser Welt, werde von meiner Mutter von Tisch zu Tisch und Gast zu Gast gezerrt, hier ist meine Tochter, wie reizend, du hast so abgenommen in den letzten zehn Jahren, in denen wir uns nicht gesehen haben, du liest ja nichtmal ein Buch! Ich lasse mich mitziehen, in Glitzerschuhen wandele ich herum, gerne bereit mich zu verwandeln, solange die Fremde in meinem Herzen die Fremde da draußen überwiegt. Ich liebe es, mich für solche Gelegenheiten aufzutakeln: plötzlich bin ich Frau für die anderen Frauen, plötzlich darf ich‘s sein.

    Ich rede nicht mit meinem Bruder, die ganze Woche nicht. Ich habe Angst, hineingezogen zu werden in die letzten stressigen Vorbereitungen zur Hochzeit, Angst, seine Verzweiflung über den Zustand in unserer zersplitterten Familie zu sehen, Angst, Verantwortung übernehmen zu müssen für seine Trauer. »Ein depressives Kind« schrieben sie uns damals in unsere Akten, und ich weiß nichtmal mehr ob sie über mich oder ihn schrieben.

    Teil einer Familie zu sein, in der emotionale Erpressung und Manipulation einer begegnete, prägt. Ich kann nicht lange mit meinem Bruder zusammen Zeit verbringen, wir fallen zurück in gewaltvolle Verhaltensmuster und wenn meine Mutter dazukommt, schlägt das Pendel ganz stark aus – – – meine Reaktion auf alles von ihm ist Rückzug. Er allein ist fähig mich noch zu verletzen. Deshalb entziehe ich meine Gefühle: Bruder, ich rege mein Gesicht nicht, wenn du mich belächelst, verhöhnst, mir die Schuld gibst. Wenn du Gaslighting einsetzt, lächel ich. Und nehme den Bus gleich am nächsten Morgen ganz früh, zurück nach Hause.

    Berlin. Ist eine Flucht von meiner Familie, von den Realitäten des ewigen Anderssein in ihren Armen. Warum kommst du nicht zu uns? Hast du einen Freund? Jetzt bist du an der Reihe. Hast du abgenommen? Lerne Türkisch.

    Jeder Satz ein Schlag ins Gesicht.

    Nein, Familie, ich kann kein Türkisch. Ihr habt mich weggegeben, wisst ihr noch? Wegen euch bin ich im Heim aufgewachsen, inmitten von Weißdeutschen, und ich musste mich anpassen. Und wann habt ihr jemals versucht mir zu helfen, Türkisch zu verstehen? Wann habt ihr mir was im Fernsehen übersetzt, wenn ihr mich mal wieder gezwungen habt, stundenlang türkisches Fernsehen mitzuschauen. Wann einmal nicht ungeduldig mit der Zunge geschnalzt, wenn ich nach der Übersetzung fragte?

    Ihr wollt keine Arbeit mit mir.

    Nein, ich habe keinen Freund. Ich bin bisexuell, liebe Familie, ich liebe Männer und Frauen und Menschen, die nicht Teil dieser Kategorien sind. Ich würde euch liebendgerne mal eines Tages jemanden vorbeibringen, ich würde euch zumindest nur einmal von ihr erzählen, als Nebensatz zumindest. Aber nach einem Leben außerhalb der heteronormativen Bedeutsamkeiten zu fragen, ist euch schon zuviel. Habt ihr jemals auch nur nach meinen guten Freund*innen gefragt? Habt ihr jemals gewusst, wer mich zum Lachen bringt, in mir warme Gefühle auslöst, wen ich anrufen konnte, wenn es mir ganz schlecht ging und ihr nicht da wart, nie?

    Ihr wollt keine Arbeit mit mir.

    Nein, ich besuche euch nicht ständig. Weil es mich erschöpft, dass immer ich es bin, die das Geld und die Zeit dafür haben muss, euch zu besuchen in euren Leben. Schaut: Ich habe ein Leben in der Stadt hier. Interessiert euch das? Wisst ihr, welche U-Bahn ich benutze, wenn ich zur Arbeit fahre? In welchem Kiosk ich meine Sonnenblumenkerne hole? Wisst ihr, dass ich gerade in einer reinen Zweck-WG wohne, in der ich es scheußlich finde; wisst ihr, dass kleine Räume meine Depression verstärken und dass ich mir heimlich ein Aquarium wünsche, obwohl ich das nicht mit meiner Tierbefreiungspolitik in Einklang bringen kann?

    Ihr wollt keine Arbeit mit mir.

    Ja, ich habe abgenommen. Das erste Mal, als ich hungern musste, weil es zuwenig Geld in meinem damals achtzehnjährigen Leben gab. Das zweite Mal, nachdem ein Depressionstief mich zwei Tage lang im Bett zum Erliegen brachte und ich nichtmal mehr trinken konnte. Ich werde das Gefühl des Ausgelöschtseins nicht mehr vergessen. Ich werde nicht vergessen, dass das meine Reaktion war auf die Wünsche derer, die mich vergessen haben: zu verschwinden, damit ich keine Schuldgefühle mehr auslöse. Mich zu reduzieren, weil mein Wollen schon zuviel ist. Wisst ihr, dass ich Krankheiten habe, wegen denen ich nun meine Ernährung umstellen musste? Ich hab eine Krankheit, die meinen ganzen Körper in hormonellem wie psychischem Ungleichgewicht hält, so dass ich tagtäglich nur Stunden darin investiere wenigstens ein paar Stunden so leistungsfähig zu sein wie andere den ganzen Tag. Wisst ihr, dass ich chronische Bauchschmerzen hab, seitdem ich 15 Jahre alt bin? Dass es mich Tag für Tag quält und ich erst realisieren musste, dass es anderen nicht ständig so geht? Dass ich schauen muss, wie ich reise, und wieviele Menschen ich in der Woche treffe und dass ich schon Angst habe rauszugehen, aus Angst, dass es gleich wieder losgeht?

    Ich rede gerne und viel über systematische Scheiße. Darüber, dass die Gesellschaft uns zu dem macht, was wir sind, dass wir das Ergebnis materieller Ausbeutung und sozialer Aushandlungsprozesse sind: dass wir nichtig sind und zerstört werden in einem menschenverachtenden System. Wieso ich heute über eure Schuld rede? Weil ich mir glauben machen will, dass ihr mir nicht egal seid. Dass ich nicht schon zu gleichgültig bin, um überhaupt nach den Konsequenzen eurer Aktionen zu fragen, die Kettenreaktionen auslösten. Die meine Kindheit zerstörten, die mich heute Angst haben lassen vor Menschen, Beziehungen, Leute gehen zu lassen, Leute in mein Leben zu lassen. Wenn ihr nur wüsstet, wieviele verschiedene Menschen ich kennenlernte, wieviel Leben da durch mein Leben ging und mich mit sich nahm, Stück für Stück, bis heute niemand mehr da ist, mit dem ich über die Zeit im Kinderheim in Lehrte reden kann oder über diese eine Svenja, die damals in die Psychiatrie kam oder übers Prügeln mit dem Heimarschloch, übers gemeinsame Abhauen im monatelangen Versteckspiel mit den Betreuer*innen, über Abflussrohre an irgendwelchen versifften Bächen, in denen wir spielten, übers Schuleschwänzen. Übers fleißige Lernen für die Bio-Lehrerin die ich beeindrucken wollte, über den ersten großen Crush, über das erste Mädchen, in das ich mich verliebte und ihre wilden blonden Locken (ihr hättet ihre Haare so geliebt).

    Wenn ihr wüsstet, wie es ist, Erinnerungen zu haben, die ihr mit niemanden teilen könnt. Es ist irgendwann, als ob man nur noch fantasiert; denn was andere Menschen nicht auch sehen, das kann es doch nicht geben? Es ist als ob es ein Traum gewesen wäre; du kannst niemanden erklären, wie sich das anfühlte; sie hätten da sein müssen. Ich weiß nicht wie es sein muss, wenn im Alter alle Freund*innen um eine herum sterben; aber manchmal glaube ich es ist ähnlich wie dieses Reisen durch Welten: Menschen die man abgeben muss, von denen man sich oft nichtmal verabschieden konnte; eine Vergangenheit, die einfach nicht lebendig werden will in einem; die grau zurückliegt ohne das Aufleuchten von geliebten und vertrauten Augen, wenn darüber erzählt wird.
    Ich vermisse all diese Menschen. Ich vermisse euch so sehr.

  • @käsebrot
    Du verfehlst es nicht nur, die Verantwortlichen zu benennen, nein du verschiebst die Verantwortungen. Die Unterdrückung geht von den Männern* aus. Der Sexismus geht von den Männern* aus, die […]

  • @käsebrot
    Nope. Male Gaze hat Macht, weil es mit Gewalt verbunden ist. Dein Kommentar pathologisiert die Betroffenen („emotional abhängig“)und gibt ihnen obendrein die Schuld für Machtgefälle. Sie stellen das […]

  • Inhalt: Sexismus, Street Harassment, Male Gaze

    (Ich hab über das Thema schonmal getweetet; wer sich gelangweilt fühlt, gehe doch einfach wieder)

    ((Ich bin derzeit verwirrt, was die Sternchen-Benutzung in Bezug auf trans* und trans betrifft und lasse sie diesmal aus und versuche nonbinary Menschen, zu denen ich mich selber zähle, andersweitig zu erwähnen. Auch über Worte wie cis und trans bin ich mir manchmal unsicher, da ich tatsächlich einfach nicht weiß, ob ein Mensch das ist und ich das andauernde »vor allem cis Männer« vermeiden möchte))

    Mich hat schon immer gewundert, inwieweit sich Transmisogynie und „klassische“ Misogynie ähneln. In beiden Fällen ist nämlich das Bild der »idealen Frau« vorgegebener Maßstab, an dem cis wie auch trans Frauen scheitern und scheitern müssen. Und cis wie trans Frauen müssen an ihren Körpern „arbeiten“ wie an Projekten, dürfen nichts dem Zufall überlassen und investieren Zeit und Geld in ausgiebiges Körpermanagement.
    Soviel zu »natürlicher Weiblichkeit«.

    Wer entscheidet, wer eine Frau ist? Etwa cis Frauen?

    Ich denke wir alle sind daran beteiligt, die Bilder von Geschlecht mitzugestalten; für die Zukunft, für uns, mit dem was mittels Zwang von anderen in uns hineingelegt wurde, mit dem, was wir uns durch unseren eigenen Mut und den Mut anderer erarbeiteten, und auch mit dem, wo wir selber Zwänge weitergeben.

    Immer wieder fällt mir bei Debatten um Street Harassment mein eigenes Unwohlsein darüber auf. Ich musste lange darüber nachdenken, was mir dieses Unwohlsein schafft. Ich erfahre keine offene sexuelle Belästigung, zumindest nicht mehr seitdem ich erwachsen bin. Street Harassment gab es für mich von 10 bis 16 Jahren, gerne von alten Männern, a.k.a. eklige, alte Säcke (so jetzt hab ich endlich etwas nachgeholt!), danach hörte es schlagartig auf.

    Mein erster Gedanke war, und er klingt absurd, aber vielleicht muss ich ihn gerade deshalb nennen: Bin ich etwa beleidigt, weil ich nicht sexuell belästigt werde? Als ein Freund in einer ebensolchen Debatte von einer Bekannten erzählte, die regelrecht depressiv wurde, weil sie nach einem Umzug nicht mehr erlebte, dass ihr auf der Straße nachgerufen wurde, hielt ich das für Mackergeschwätz und für ein faules Argument, dass Street Harassment ja eigentlich gar nicht so schlimm sei, gar notwendig für manche Frauen!

    Jetzt habe ich aber den Eindruck, ich kann eher benennen, was mich stört. Es ist der Gedanke, dass doch Alle Frauen(tm) Street Harassment erfahren. Es scheint so sehr Teil weiblicher Identität zu sein, vorbereitet auf dumme Sprüche zu sein, sich für Partys und Clubs abzusprechen, wo man langgeht und wie man wieder weggeht, Anmachen zu kontern. Die Seufzer, eine Mischung aus Wut und Resignation, die mir suggerieren: Immer werden *wir* so behandelt.

    Die Sache ist: Es gibt kein „Wir“, zumindest nicht eins, das synonym mit „die Frauen(tm)“ einhergeht. Ich will damit nicht sagen, dass es keine Organisierung von Menschen geben soll, die sich gegen Street Harassment richtet ( im Gegenteil, aber dazu später mehr). Ich will heute v.a. den Fokus darauf richten, was es in mir auslöst, und das ist, dass ich das Gefühl oder den Eindruck vermittelt bekomme, dass ich keine Frau sein kann.

    Nun ist der Witz dabei: Ich identifiziere mich ja auch nicht als Frau, haha, right, so what is my problem anyway? Aber die Sache ist so: Ich wähle meine Identität, ich sage, wenn ich mich nicht als Frau sehe, weil ich das für mich so fühle – und nicht, weil andere mir das sagen oder mir das Gefühl geben. (Aber auch hier könnte ich n ganzen Blogpost wieder darüber schreiben, wie gewaltvolle Zuschreibungen die Freiwilligkeit von Identitäten in Frage stellen)

    Und es sind immer wieder v.a. Männer, die durch ihre Blicke, ihre Sprüche, aber auch ihr Schweigen, ihre Abfälligkeit und Ignoranz zuweisen, wer für sie »Frau« ist/sein kann und wer nicht. Street Harassment hat einen riesigen Anteil an der Konstruktion von Geschlecht, aber eben nicht nur durch das was diese Männer(es sind meistens Männer) tun und sagen, sondern auch durch das, was sie nicht tun, wen sie nicht ansehen, wen sie übersehen. Ich glaube, dass einige Menschen, darunter v.a. Frauen und solche, die so gelesen werden, es kennen und fürchten, die ersten Sekunden, in denen sie auch z.B. in lockerer Gesellschaft von Männern gemustert werden und darauf warten, dass deren Blick desinteressiert entgleist und sie sich darauf gefasst machen können, einen ganzen Abend von diesem Mann aus Prinzip übersehen zu werden. Diese Objektifizierung ist auch eine, auch wenn sie nicht so offen im Raum steht wie die Anmache. Und sie macht genauso was mit uns, auch wenn uns das selber noch nicht klar ist in dem Moment.

    Dicke Frauen, hässliche Frauen, queere Frauen, queere Männer und viele andere Menschen werden offen beleidigt und erfahren Street Harassment eben schon per se nicht als „Anmache“, sondern als (offene) Entwürdigung ihrer Menschlichkeit. Hier scheint Street Harassment gar „Korrektur“funktion innerhalb eines normativen Geschlechtersystems zu haben, womit sich noch mehr erklärt, warum manche Männer meinen, Frauen(tm) sollten für Anmachen doch dankbar und geschmeichelt sein. Sie haben nämlich durchaus recht damit, dass ihr Blick und ihre Zuweisung sehr viel Gewicht in dem Selbstbild des meist frauisierten und_oder femininen Gegenübers hat. Das liegt nicht an rein emotionaler Abhängigkeit der objektifizierten Personen, wie oft behauptet, sondern an der Macht, die der Male Gaze in der Gesellschaft ausübt und mit der er Bedeutung zuweist, an der Gewalt, mit der Männer sich im Kyriarchat durchsetzen und die sie ausüben, um Machtgefälle zu erhalten und die Privilegien, die viele von ihnen innerhalb der normativen Zweigeschlechtlichkeit genießen.

    Wie ich bereits erwähnte, geht es mir nicht darum, wichtige Debatten um Sexismus und Street Harassment zu demontieren. Mir geht es um die Verletzungen, die irgendwie implizit im Ungesagten, Unbenannten drinstecken; um die Isolierungen, die der Male Gaze und seine Zuschreibungen erschaffen: nämlich zwischen uns, die wir uns gegen diese Zuschreibungen wehren. Es stellt sich zeitgleich die Frage, inwieweit in einer sexistischen Gesellschaft »Schönsein« von Frauen und Frauisierten tatsächlich ein Privileg ist; ein Gedanke, den ich glaub ich so mal von @samiaalthar gehört habe [(ich bin mir nicht ganz sicher)edit: nein, es war wohl Ezra, siehe Comment]; inwieweit auch Femininitätsfeindlichkeit uns entsolidarisiert mit denen, die Sexismus und Street Harassment abbekommen. Dann wieder auch die Frage nach Liebe und Anerkennung die viele von uns auch durch Männer erfahren_wollen; seien es unsere Väter, Brüder, Bekannten, Freunde oder unsere Geliebten. Ich weiß, dass ich diese Liebe und Anerkennung möchte. Aber nicht mit dem Preis dessen, was das Kyriarchat fordert.

  • Bäumchen schrieb neuen Beitrag, versuch mich aufzuheben, auf der Webseite rumbaumeln vor 3 Jahren, 4 Monaten

    körper: du die ich nicht aufhöre
    eingenäht in diese galaxie –
    und eine kleine weile noch
    bleib ich mir fern

    eingesammelt in abflussnetzen
    die dichten haare,
    alles gefallene zeugen

    dampfbäder der zeit […]

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